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Nischenposition

26.07.2010
omich @ web

Wann wurde Apple eigentlich zu einem bad guy? Wie wurde Apple so angreifbar, das sie sich in einer peinlichen Pressekonferenz rechtfertigen mussten?

Zuerst das iPhone: das erste war eine kleine Revolution, hat den Providermarkt umgekrempelt und den telefonierenden Menschen wieder eben diese Funktionen zurückgegeben – das zweite und dritte eine konsequente Verbesserung. Das iPhone 4 enthält genau die Optimierungen, die ich mir zuvor gewünscht hatte: besseres Display, zwei Kameras (was ich im iPad schmerzlich vermisse) und enorme Batterielaufzeit, dazu sehr wertige Hardware.

Perfekt, wenn da nicht ein paar bittere Nachteile wären: FaceTime nur im WiFi und nur mit anderen iPhoneros (warum nicht zu iChat Video oder anderen Protokollen), nochimmer kein Tethering inklusive (doch wieder ein Kniefall an die Provider), kein HD-Video out, kein Standard für einen externen Gamecontroller, noch immer keinen kostenlosen MobileMe Basis-Account, nutzbar nur mit Computer-Anbindung.

Dies ist eine typische Apple Situation: neues, hochinnovatives Produkt, das aber mit den Jahren Ecken behält (warum SMS App nicht mit anderen Messengern verbinden) oder bekommt (erst Notifications, dann eingeschränktes “Multitasking”), die entweder nicht gelöst oder nur verspätet geflickt werden. Gleichzeitig werden aber aufgrund des “Innovationsdrucks” Funktionen proprietär eingebaut, die es schon früher gab (kennt noch jemand die Werbeprospekte für Pflegeeinrichtungen mit ISDN-Videotelefonie). Zu einem ähnlichen Moloch ist iTunes gewachsen, doch dazu mal mehr an anderer Stelle.

Egal, die Grundfunktionen beherrscht es immernoch vorzüglich, nur warum reicht das den Nörglern nicht mehr? Ein vermeintlicher Death-Grip macht das Gerät unbrauchbar? Die so “sehnsüchtig” von der “gesamten Menschheit” verlangte klinisch-weiße Variante hat Produktionsprobleme? Drama-Baby! Allein es wäre geschickter von Apple gewesen, die Variante einfach still im Herbst nachzureichen.

Was bleibt ist eine Firma, die sich vom Erfolgt verführen ließ, zu früh ein zwar technisch grandioses aber mit unausgewogenen Soft- und Hardwarecken versehenes Produkt auszuliefern, das sie über die Vorgabe, der Heilsbringer zu sein, angreifbar macht. Ob nun rational oder mit überzogenen Argumenten: dem Anspruch perfekt zu sein, werden sie nicht gerecht (ganz ehrlich: wozu auch). Leider entgleitet damit Apple gerade sein Image und kippt sogar zum arroganten, aufgeblähten Snob.

Ehrlich gesagt, ich würde mir wieder wünschen, wenn Apple ein Nischenplayer wäre, der unter Druck punktuell grandioses leistet. Mit Produkten, die stärker offene Standards nutzen und bei denen Erweiterungen von Außen gewollt sind. Beispielsweise könnte die treibende Kraft von Social Networking sich von ihren Inhaltsstatus im Web lösen und integrativen Funktionen leisten, die allerdings ohne Interoperabilität unmöglich sind. Apples geschlossene System erleben gerade ein “not-invented-here V2.0″ – verkopft, überkontrolliert, nutzerentfremdet und kurzsichtig.

Zum Glück kam das iPad: perfekt für viele, technophobe Nischen stellt es wiederum eine kleine Revolution dar. Es musste zwar keine lästigen Fesseln zu Providern lösen, hat dafür den Charme, ein unbelasteter Katalysator für neue Ideen zu sein. Dieses Umfeld bleibt in jedem Fall konstant spannend für die nächsten Jahre, zumal garantiert eine FaceTime Kamera und damit ein Mikrofon kommen werden. Wünschenswert zur autarken Nutzung ist der Sync von/in die iTunes/MobileMe Cloud und den diversen Streamingdiensten, natürlich vorinstalliert oder aber in eigene Unternehmensserver integrierbar.

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One Response

  1. Dieser Text war meine heutige Gute Nacht Geschichte … mehr davon!



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